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Menschen-Berge-Stadtlandschaft - Ausstellungen Neubeuern

Menschen - Berge - Stadtlandschaft
Gerhard Prokop und Regina Marmaglio  
Malerei und Bildhauerei

vom 12. bis 28. September 2025



Elisabeth Opperer und Manfred Plonus
Menschen – Berge – Stadtlandschaft ist der Titel der Ausstellung in der Galerie am Markt in Neubeuern, zu der das langjährige Mitglied des Neubeurer Künstlerkreises, Regina Marmaglio, ihren Künstlerkollegen aus dem Kunstverein Rosenheim, Gerhard Prokop, eingeladen hat.

Menschen und Berge, das sind die Themen von Regina Marmaglio, die Stadtlandschaften von Gerhard Prokop.
  
Gerhard Prokop, der Kulturpreisträger der Stadt Rosenheim, findet Städte faszinierend und beschäftigt sich deshalb schon seit Jahren mit diesem Thema, „denn“, so sagt er, „die meisten Menschen leben in Städten und Stadtlandschaften sind unsere unmittelbare Umgebung, die uns und unser Bewusstsein prägen“.
  
Seine Arbeiten sind keinesfalls dem Fotorealismus, sondern inhaltlich aber auch maltechnisch dem Hyperrealismus zuzuordnen. Er erläutert das so, dass er versucht, die Dinge immer etwas anders darzustellen als man es gewohnt ist, damit man das Motiv mit neuen Augen sehen kann. Die Verfremdung entsteht durch ungewöhnliche Blickwinkel und Perspektiven, er lässt Personen und Autos weg, ebenso alle Zufälligkeiten des Augenblicks. Die Bilder repräsentieren nicht mehr die hundertstel Sekunde der Fotos die als Skizzen dienen, sondern einen viel größeren Zeitraum und haben damit eine größere zeitliche Gültigkeit.

Er fotografiert seine Motive als Panoramafoto und montiert dann am Computer mehrere Teile zu einem Weitwinkelfoto. Dabei vermeidet er die Verzerrungen des Weitwinkels und bekommt trotzdem einen weiten Winkel. Am Computer kombiniert er nicht nur die Einzelbilder, sondern er kann mit der Bildbearbeitung auch die stürzenden Linien der Gebäude gerade stellen. Die digitalen Manipulationen verdeutlichen dabei den Wesenskern und unterstützen die Authentizität. Als nächster Schritt kommt die Projektion auf den Bildträger. Da die erste Vorzeichnung aber noch sehr ungenau ist, muss er mit allen möglichen Hilfsmitteln, wie etwa Kurvenlineal oder auch x-Gleichungen am Taschenrechner, korrigieren und präzisieren. Erst danach kommen Gouache, Wasserfarben, Tuscheline und am Schluss Ölfarben dazu. Damit ist es am Ende ein Ölbild.

Seine Intention ist es aber, nicht nur Stadtlandschaften entstehen zu lassen, sondern er möchte manchmal auch den Finger in eine Wunde legen. Das Gemälde „Betriebswagenwerk 5“ gehört zum historischen Bahnhof Rosenheim. Es ist ihm ein Anliegen, dass dieses alte Industriegebäude erhalten bleibt und in Zukunft kulturell genutzt wird.
  
Ulrike Gierlinger wies in ihrer Laudatio auf ein beachtenswertes Detail des Gemäldes „Via Nunzio Nasi – Palermo“ hin. Ganz links unten im Eck kann man ein Plakat entdecken, das Gerhard Prokop da hingesetzt hat. Dieses Plakat zeigt eine Frau, nämlich Esther Zimmer. Sie war eine Mikrobiologin und entdeckte 1950 den Lambda-Phagen. Zusammen mit ihrem Ehemann Joshua Lederberg entdeckte sie den Transfer von Genen zwischen Bakterien durch spezifische Transduktion und entwickelte mit ihm die Stempeltechnik in der Mikrobiologie. Und im Gegensatz zu ihrem Mann hat sie keinen Nobelpreis bekommen, keine Würdigung und fordert mit ihrem forschenden Blick den Betrachter auf, sich mit ihrem Schicksal zu beschäftigen.

Die Bildhauerin Regina Marmaglio arbeitet an verschiedenen Serien immer parallel. Sie bearbeitet das Holz und macht es farbig. „Sie schafft damit“, so Ulrike Gierlinger, „wenn man den berühmten Paragone, also den Wettstreit zwischen Malerei und Bildhauerei, anschaut, die ideale Kombination, denn sie gestaltet dreidimensional, was die Maler nicht können, und sie gestaltet farbig, was nur die Maler können. Und um ihre Berglandschaften zu gestalten, verwendet sie etwas, was sie mit Gerhard Prokop verbindet, nämlich die Fotografie“.

Für ihre Fotos braucht sie einen persönlichen Bezug zum Objekt, entweder zum Ort und zur Person, die es fotografiert hat. „So komme ich auf mein Motiv“, erklärt sie ihre Arbeitsweise Dann setzt sie das Motiv nach einem Ausschnitt auf dem Foto um und legt das Foto aber an einem gewissen Punkt zur Seite und schaut nur noch die Arbeit an. Sie macht dann ganz viele Farbschichten drüber, lässt das wieder trocknen und geht mit ganz trockenen Pinseln nochmal drüber. Das ist ein relativ langer Prozess. Da sie keinen Glanz auf der Holzoberfläche haben möchte, benutzt sie am liebsten Abtönfarben. Die Farben sollen sich nicht aufdrängen, sondern eine gewisse Oberfläche bilden. Es gefällt ihr auch, wenn die Farben mit Wasser so verdünnen kann, dass man das Holz noch sieht.
  
Die Figuren von Regina Marmaglio tragen bequeme Kleidung, nichts Figurbetontes. Die Kleidungsstücke sind entweder einfarbig gestreift oder kariert und damit eben praktisch.
 
Manche Holzskulpturen sind in der Ausstellung so angeordnet, dass eine Beziehung zwischen ihnen hergestellt wird. Sie stehen sich gegenüber oder wenden sich den Rücken zu, eine lässt die Arme hängen, eine andere hat die Hand in der Hosentasche oder den Arm in die Seite gestützt.

Auch die Namen sind sehr vielschichtig gewählt. So trägt eine Figur den Namen „überlegen“. Das kann bedeuten, dass sie sich überlegen fühlt oder gerade angestrengt überlegt.
 
Eine ihrer Skulpturen hat es in den Sitzungssaal des neuen Rathauses in Neubeuern geschafft. Sie hat einen Beamten geschnitzt, der sich auszeichnet durch eine braune Aktentasche und einen Pullunder. Er steht während der Sitzungen hinter dem Bürgermeister.
 
 

© www.ausstellungen-neubeuern.de 2023-2026
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